Mechanischer Tiefdruck

Beim Tiefdruck unterscheidet man zwischen mechanischen Verfahren, bei denen die Zeichnung direkt mit einem Instrument aus der Druckplatte herausgestochen wird (Kupferstich, Kaltnadel, Mezzotinto) und chemischen Verfahren, bei denen dieser Vorgang durch das Ätzen mit einer Säure ersetzt wird (Radierung, Aquatinta).

Kupferstich

Im Kupferstich wird die Platte mit einem Grabstichel bearbeitet, den der Künstler oder die Künstlerin so in der Hand hält, dass er nur vorwärts geführt werden kann. Für das Stechen runder Linien muss deshalb die Platte während der Arbeit immer wieder gedreht werden. Das herausgestochene Metall wird mit einem Schabeisen entfernt. "Verzeichnete" Partien können korrigiert werden, indem man die Stellen mit einem Polierstab glättet. Aus der manuellen Grabstichelarbeit entsteht das typische Merkmal des Kupferstichs: Durch den unterschiedlichen Druck bei der Führung des Instrumentes ergeben sich unterschiedlich breite Linien.

Für den Druckvorgang wird die Platte vor dem Einfärben leicht erwärmt, damit die Schwärze besser in die Vertiefungen eindringt. Anschliessend wird die überschüssige Farbe abgewischt, die letzten Reste müssen mit dem Handballen wegpoliert werden. Da das Papier die Farbe aus den Vertiefungen heraussaugen muss, braucht es einen sehr hohen Pressendruck, dadurch nutzt sich die Platte schnell ab, und die Qualität der Drucke verringert sich deshalb nach einer Auflage von etwa 200 Exemplaren schnell.

Die ältesten erhaltenen Kupferstichblätter in Europa stammen aus dem frühen 15. Jahrhundert. Die ersten Meister dieser Technik hatten fast alle einen engen Bezug zum Goldschmiedehandwerk, indem vermutlich schon früh von gravierten Metallen Abzüge auf Papier gemacht wurden, um diese als Vorlagenblätter zu erhalten. Es wird angenommen, dass sich die Technik des Kupferstichs nördlich und südlich der Alpen ungefähr gleichzeitig und unabhängig voneinander entwickelte.

Neben zahlreichen unbekannten Meistern sind für den Norden vor allem Martin Schongauer(um 1430-1491) und Albrecht Dürer als bedeutende Kupferstecher zu nennen. In Italien führte Marcantonio Raimondi eine Kupferstichwerkstätte, in der er Zeichnungen seines Zeitgenossen Raffael, aber auch anderer Künstler, reproduzierte und verkaufte. Bis ins frühe 19. Jahrhundert, als der Kupferstich von einfacheren und billigeren Techniken abgelöst wurde, diente er darüber hinaus als Vervielfältigungsverfahren für wissenschaftliche Buchillustrationen und Karten. Im 20.Jahrhundert wird diese Technik nur noch selten angewendet.

Kaltnadelradierung

Im Unterschied zum Kupferstich wird bei der Kaltnadeltechnik nicht ein Grabstichel, sondern eine Stahlnadel (Radiernadel) verwendet, die wie ein Bleistift geführt werden kann. Die Zeichnung wird in die Metallplatte (meist Kupfer oder Zink) eingeritzt, wobei die Härte des Metalls die Linienführung erschwert. Somit ist es hier noch schwieriger als beim Kupferstich, kontrollierte Krümmungen zu erzielen.

Ein weiterer Unterschied besteht dann, dass das Material bei dieser Bearbeitungsweise nicht herausgeschnitten und mit einem Schabeisen entfernt, sondern durch die Stahlspitze lediglich verdrängt wird. Auf diese Weise entstehen an beiden Rändern der Linie sogenannte Grate, die stehen gelassen werden. Beim Einfärben der Platte bleibt in den Graten zusätzliche Farbe hängen, welche im Druck die charakteristischen, unscharfen und dadurch weich erscheinenden Konturen der Linien bewirkt. Die Auflagezahl des Kaltnadeldruckes ist sehr begrenzt, da die Grate infolge des hohen Pressendrucks schon nach etwa 20 Abzügen zerstört sind.

Die Kaltnadelradierung war bereits zur Zeit Albrecht Dürers (1471-1528) bekannt. Rembrandt benutzte die Technik oft zur starken Überarbeitung seiner Radierungen. Im 20.Jahrhundert wurde die Kaltnadeltechnik als künstlerisches Ausdrucksmittel von verschiedenen Künstlern, darunter Horst Antes und Pablo Picasso, neu entdeckt.

Mezzotinto

Die Technik des Mezzotinto (it. für "Halbton"), auch als "Schabkunst" bekannt, unterscheidet sich vom Kupferstich in erster Linie dadurch, dass die Kupferplatte vor dem eigentlichen künstlerischen Bearbeitungsvorgang mit einem Wiegemesser aufgerauht wird: Mit Hilfe der mit Stahlzähnen besetzten bogenförmigen Schneide wird ein dichtes Netz sich kreuzender Linien in die blank polierte Platte gepresst. Die jetzt eingefärbte Platte würde gedruckt einen weichen, schwarzen Farbton ergeben. Auf diesen rauhen Untergrund wird die Vorzeichnung mit weichem Stift übertragen und mit Schaber und Polierer weiter ausgearbeitet.

Im Druck bleiben die polierten Stellen weiss, da sie keine Farbe aufnehmen, die mit dem Wiegemesser aufgerauhten dagegen erscheinen dunkel, respektive in weichen Halbtönen ("mezzotin-to"). Der Vorteil dieser Bildgestaltung besteht darin, dass die Verteilung der hellen und dunklen Flächen auf der Platte gleich ist wie auf dem Abdruck und eine kontinuierliche Farbabstufung erreicht werden kann. Diese erste Flächentechnik im Rahmen der Tiefdruckverfahren wurde um 1642 in Hessen erfunden. Da diese Technik im 17. und 18. Jahrhundert besonders in England sehr beliebt war, wird sie auch "englische Manier" genannt.