Hochdruck
Holzschnitt
Der Holzschnitt gehört zu den ältesten (Hoch-) Druckverfahren. Die Technik ist sehr einfach und vom Gebrauch eines gewöhnlichen Stempels her bekannt: Auf der Oberfläche einer Druckplatte (vorzugsweise aus Buchen-, Eichen- oder Obstbaumholz) wird Material weggeschnitten, sodass die zu druckende Zeichnung erhaben bleibt. Je nachdem, ob ganze Flächen oder feine Linien herausgearbeitet werden sollen, stehen verschiedene Werkzeuge zur Verfügung (Holzschneidemesser, Japanisches Messer, Hohleisen, Geissfuss oder Flachmeissel).
Im 15. und 16. Jahrhundert besorgte diese Arbeit oft ein eigens dazu ausgebildeter Formschneider. Anschliessend wird die Platte mit einem Tampon oder einer Walze eingefärbt. Der für den Druck nötige Kraftaufwand ist im Hochdruck relativ gering, daher kann der Abzug statt mit einer Druckpresse auch von Hand hergestellt werden: Das angefeuchtete Papier wird von oben auf die geschnittene Platte gelegt und die aufgetragene Farbe mit dem Handballen, einem Falzbein oder einer Bürste abgerieben.
Schon früh suchte man nach Möglichkeiten, mehrfarbige Holzschnitte herzustellen. Anfangs geschah dies durch Kolorieren jedes einzelnen Blattes. Schon um 1500 aber entstanden die ersten farbigen Holzschnitte aus mehreren Platten. Wie das nebenstehende Beispiel zeigt, muss dabei für jede Farbe eine eigene Platte angefertigt werden. Dieses Prinzip wurde später auch auf andere Drucktechniken (Radierung, Aquatinta, Lithografie usw.) übertragen. Der Gebrauch der Hochdrucktechnik ist in Europa bis ins 4. Jahrhundert n.Chr. zurückzuverfolgen.
Bereits damals bedruckte man Stoffe mit eingefärbten Holzmodeln. Voraussetzung für die weitere Entwicklung des Holzschnittes war die Erfindung des Papiers (als Ersatz für das teurere Pergament) am Ende des 14. Jahrhunderts. Wie fast alle Drucktechniken, so diente auch der Holzschnitt am Anfang vor allem der Vervielfältigung. Im 15. Jahrhundert stellte man mit dieser Methode billige Abbildungen religiöser Gemälde her, die als private Andachtsbilder vertrieben wurden. Während der Reformation im 16. Jahrhundert wurden Flugblätter, welche soziale und kirchliche Missstände kritisierten, mit Holzschnitten illustriert.
Parallel zu dieser Massenproduktion erreichte der Holzschnitt dank Albrecht Dürer (1471-1528) und einigen seiner Zeitgenossen um 1500 eine künstlerische Blütezeit, in der die Technik so verfeinert wurde, dass mit den Linien des Holzschnittes ein hoher Grad an Plastizität im Bild erreicht werden konnte. Danach geriet der Holzschnitt lange in Vergessenheit, bis er am Ende des 19. Jahrhunderts durch die Künstler des Historismus und anfangs des 20. Jahrhunderts durch die Expressionisten zu neuem Ansehen kam.Um einen Farbholzschnitt zu schaffen, muss der Künstler für jede einzelne Farbe eine eigene Platte herstellen, die eine nach der anderen auf das gleiche Blatt abgedruckt werden. Vorgegangen wird von der hellen zur dunklen Farbe, Schwarz ist folglich die letzte Farbe, die gedruckt wird.
Linolschnitt
Der Linolschnitt ist wie der Holzschnitt ein Hochdruckverfahren. Die Bearbeitung erfolgt mit ähnlichen Werkzeugen (Hohlmesser, Geissfuss, Konturmesser), die Verschiedenheit des Materials gebietet jedoch unterschiedliche Anwendungszwecke: Das Linoleum, hergestellt aus einer Mischung von Leinöl, Harz und Kork, ist weicher als Holz und deshalb leichter zu schneiden.
Da anders als beim Holz die Oberfläche nicht strukturiert ist, eignet es sich besonders gut für Darstellungen mit grossen homogenen Flächen. Hingegen kann es bei einer feineren Linienführung zerbröckeln.
Das Material Linoleum wurde um 1860 in England entwickelt und anfangs vor allem zum Herstellen von Fussbodenbelägen verwendet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts benutzte man es vermehrt als (billigeres) Ersatzmaterial anstelle von Holz im Hochdruck. Im 20. Jahrhundert haben vorallem Henri Matisse und Pablo Picasso bedeutende Drucke in dieser Technik geschaffen.