Durchdruck
Siebdruck
Anders als bei den vorher besprochenen Techniken wird beim Siebdruck nicht ein seitenverkehrter Abdruck von einer eingefärbten Druckform (Holzstock, Linol- oder Metallplatte) gemacht, sondern die Farbe wird durch ein feines Sieb (aus Seide, Gaze, Nylon, Polyester oder feinem Draht) gepresst, das an einzelnen Stellen farbundurchlässig gemacht worden ist. Es ist also ein Durchdruckverfahren, das auf der Schabloniertechnik beruht.
Für die Herstellung der Schablone unterscheiden Stegmann/Zey (Lexikon der graphischen Künste, 1992) vier verschiedene Methoden:
- Bei der Leimschablone wird mit einem Pinsel oder einer Feder Leim auf das Sieb aufgetragen. Die so bearbeiteten Stellen lassen beim anschliessenden Druck die Farbe nicht durch das Sieb hindurch.
- Statt mit Leim können die nicht druckenden Partien auch mit aus Papier oder selbstklebender Folie ausgeschnittenen Formen abgedeckt werden. In diesem Fall spricht man von Ausschneidetechnik.
- Eine weitere Methode, die Auswaschtechnik, bedient sich, ähnlich wie die Lithografie, des Prinzips der Abstossung von Fett und Wasser: Die Zeichnung wird mit einer Fettkreide auf das Sieb aufgetragen. Bestreicht man die Oberfläche nun mit einer Lösung aus Wasser und Leim, so stösst die Zeichnung die leimhaltige Lösung ab. Nach dem Trocknen wird die fettige Farbe mit Benzin oder Terpentin wieder herausgelöst, sodass das Sieb an diesen Partien farbdurchlässig wird und die Zeichnung als positive Form gedruckt werden kann.
- Das am häufigsten verwendete Verfahren basiert auf einer fotomechanisch hergestellten Schablone. Dazu wird das Sieb mit einer lichtempfindlichen Schicht bestrichen, die anschliessend wie bei einer Fotografie belichtet wird. Dort, wo die Zeichnung des Negativs die Belichtung und damit den chemischen Prozess der Erhärtung der Schicht verhindert, kann diese anschliessend ausgewaschen und das Sieb damit farbdurchlässig gemacht werden.
Der Siebdruck ist ein sehr einfaches Verfahren und bietet zahlreiche Vorteile, die seine industrielle Nutzung für Gebrauchsgrafik schon im frühen 20.Jahrhundert begünstigte: die Möglichkeit der fotografischen Übertragung von Vorlagen auf die Druckform, die fast beliebige Wählbarkeit des Bedruckstoffes (Plakatpapier, Karton, Kunststoffe, Textilien, Metalle) und die mögliche hohe Auflagenzahl. Die bedeutendsten Errungenschaften der neuen Technik wurden in Amerika gemacht. 1940 wurde dort die "National Serigraph Society" gegründet, welche die Förderung des künstlerischen Siebdrucks, der nun Serigrafie genannt wurde, zum Ziel hatte. In Europa fand die Serigrafie erst seit etwa 1950 Verbreitung, und zwar vor allem durch die Vertreterinnen und Vertreter der konstruktiven und konkreten Kunst, der Pop Art und der Op Art, denen die Möglichkeit, mit dem Siebdruck satte, leuchtende Farben zu erzielen, besonders entgegenkam.